Archive for ‘Persönlichkeiten’

21. Oktober 2009

Centrope-Preis 2009 für „Brückenbauer“ Eduard Harant

Viele Worte um seine Person seien ihm unangenehm, hieß es bei der Centrope-Preisverleihung im Wiener Rathaus: Nur folgerichtig übergab der 1930 in Wien geborene Medienunternehmer und Verlagsdirektor KR Eduard Harant den mit 10.000 Euro dotierten Preis auch gleich weiter zugunsten des Aufbaus einer historischen Bibliothek für das Dr. Karl Renner-Haus in Dolní Dunajovice. Beim Festakt, den der Leiter des Wiener Presse- und Informationsdienstes der Stadt Wien HR Fred Vavrousek moderierte, fanden sich neben vielen Festgästen auch prominent die Botschafter von Ungarn (Dr. István Horváth), der Slowakei (Dr. Peter Lizák) und Tschechien ein. Letzterer, Dr. Jan Koukal, hatte dieses Jahr das Vorschlagsrecht. In seiner Rede erinnerte er an ein legendäres „Moldau-Treffen“ mit Harant im „Fall des Eisernen Vorhang“-Jahr 1989, wo viele Verbindungen und Projekte mit der „Modellstadt Wien“ (Koukal) gelegt wurden.

Harant, der in den Laudationes für sein Lebenswerk oftmals als Brückenbauer beschrieben wurde – „Für die Wiener ist er ein Wiener, für die Tschechen ein Tscheche“ – wuchs zweisprachig im krisengeschüttelten Wien der Zwischenkriegszeit auf. Nach 1945 bzw. 1948, als die Tschechoslowakei aufhörte als freier eigenständiger Staat zu existieren, machte Harant Karriere im Wiener Medien- und Verlagsgeschäft. In seiner Rede erinnerte er sichtlich gerührt an die wesentliche Bedeutung von Altbürgermeister Dr. Helmut Zilk (1927 – 2008), dessen Todestag sich am 24. Oktober jährte. Zilk, aber auch der damalige Wiener Finanzstadtrat Rudolf Edlinger, wie auch Prof. Paul Twaroch (ORF Niederöstereich), der ehemalige Bundespräsident Dr. Thomas Klestil, wie auch die beiden Landeshauptleute von Wien (Dr. Michael Häupl) und Niederösterreich (Dr. Erwin Pröll) hätten sich ebenso um das Miteinander in Centrope verdient gemacht. Harrant selbst engagierte sich immer wieder für akute Hilfsprojekte, vor allem aber rief er die Österreichisch-Tschechische Gesellschaft ins Leben, deren erster Präsident Zilk war und deren Leitung, von Häupl übernommen wird.

Centrope umfasst heute rund sechs Millionen Einwohner und beschreibt Teile der Länder Österreich, Tschechien, der Slowakei und Ungarn. Seit der Centrope-Gründung im Jahr 2001 habe sich die Region „sehr gut entwickelt“, so Wiens Planungsdirektor DI Dr. Kurt Puchinger in seiner einleitenden Rede. Ähnlich positiv fiel auch die Einschätzung von Raiffeisen-Vorstandsdirektor Mag. Reinhard Karl – Raiffeisen und Stadt Wien vergeben bereits zum dritten Mal den Preis für außergewöhnliche Verdienste im Centrope-Raum -, der vor allem das wirtschaftliche Potential dieses mehrsprachigen Raums hervorhob. Der Twin-City-Liner, der Wien mit Bratislava auf dem Wasserweg verbindet und bereits über 400.000 Passagiere transportiert hat, ist vielleicht das augenfälligste Beispiel der Zusammenarbeit in der Centrope-Region, der im Hintergrund viele weitere bildungs- und wirtschaftliche Kooperationen entsprechen.

Quelle: Presse- und Informationsdienst der Stadt Wien

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7. Oktober 2009

In memoriam Herbert Klement – Trauer um leidenschaftlichen Wegbereiter für die österreichisch-tschechische Nachbarschaft

BBB-Mitglied Ing. Herbert Klement verstarb völlig überraschend im Alter von 68 Jahren in Wien.

Ing. Herbert Klement (1940-2009)

Es gibt nur wenige, auf die Attribute wie „Pionier“ oder „Wegbereiter“ im Aufbau internationaler Wirtschaftsbeziehungen zwischen Österreich und Tschechien so sehr passen wie auf Herbert Klement. Der gebürtige Wiener war gelernter Elektrotechniker und übernahm in den 70er Jahren den Vertrieb für den Industriekonzern AEG in den osteuropäischen Staaten. In dieser Tätigkeit gelang es ihm, hohe politische Funktionäre auf seine Seite zu bringen und zahlreiche Wirtschaftskontakte und persönliche Freundschaften über sprachliche und ideologische Grenzen hinweg zu knüpfen. Die geografische Lage von Wien und Prag inmitten Europas war für Klement schon Jahre vor der Wende 1989 gelebte Realität. „Was auf der Ebene der Politik nicht immer funktioniert, muss halt über persönliche Kontakte erreicht werden“ – mit diesem Leitspruch schuf er österreichisch-tschechische Freundschaften, von denen heute noch Unternehmen profitieren.

Nach der Wende machte sich Herbert Klement mit seiner Firma Klement Consult und seinem Beraternetzwerk „Cross Border Network – CBN“ selbständig und setzte sich mit der für ihn typischen Leidenschaft für die Annäherung der österreichischen Wirtschaftskammer mit der Handelskammer Brünn ein. Impulsiv wurde er immer dann, wenn es die Diskrepanz zwischen den Stehsätzen der Politiker in ihren Sonntagsreden und der alltäglichen Realität in den grenzüberschreitenden Wirtschaftsbeziehungen aufzuzeigen galt. Zur Unterstützung der internationalen Kooperationen gründete er in Znaim die Österreichisch-Tschechische Gesellschaft Wirtschaft (ÖTGW-RČHS)“ als Anlaufstelle für österreichische Unternehmer in Tschechien. Die Städtepartnerschaft zwischen den Städten Horn und Austerlitz/Slavkov geht auf seine Initiative genauso zurück wie die Rettung und Weiterführung von Betrieben in seiner Waldviertler Heimatgemeinde Infritz-Messern und sein karitativer Einsatz beim Lions Club Horn.

Klement wurde für seine Verdienste mit dem tschechischen Masaryk-Orden „Gratias Agit“ geehrt und ist unter anderem Träger der Goldenen Ehrennadel des Niederösterreichischen Wirtschaftsbundes. Herbert Klement nahm an einer Sitzung der Österreichisch-Tschechischen Gesellschaft in Wien teil, als er plötzlich zusammenbrach und kurze Zeit später im Krankenhaus verstarb.