Archive for ‘Persönlichkeiten’

23. August 2012

„Powidl“ – Ein neues Online-Magazin aus Tschechien für Deutsche und Österreicher

Vereinfachte Informationssuche für Deutschsprechende, neue Chancen für tschechische Kleinunternehmen auf www.powidl.eu

Schwierig und in manchen Fällen unmöglich ist es, auch ohne Sprachkenntnisse des Tschechischen Informationen über kleinere Orte oder kleinere Unternehmen in Tschechien zu erhalten. Als Österreicher, die schon seit sieben Jahren in der Tschechischen Republik als Journalisten tätig sind, beschäftigt die Gründer des Magazins dieses Problem auf Schritt und Tritt: Bei den Recherchetätigkeiten stößt man im Internet auf eine Fülle von tschechischen Webseiten mit toten Links, inhaltlichen Fragmenten, wenige ins Englische oder Deutsche übersetzte Seiten, die dann meist lückenhaft, schlecht übersetzt oder nicht aktualisiert sind. Man versteht, wie man in Österreich sagt, nur „Powidl“.
„Unser Online-Magazin „Powidl“ soll diese Lücken auf breiter Ebene schließen. Aktuelle Meldungen über Politik und Wirtschaft werden leicht verständlich aufbereitet und kommentiert: „Powidl“ soll den trockenen Informationen ihren eigenen Geschmack geben. Vor allem aber steht das reichhaltige, in den deutschsprachigen Nachbarländern aber immer noch unbekannte Kulturleben im Vordergrund. Zusätzlich richtet „Powidl“ alle 2 Wochen die Aufmerksamkeit auf eine andere Kleinstadt oder touristische Region Tschechiens“, sagt Stefan Weiß, langjähriger Mitarbeiter der deutschsprachigen „Prager Zeitung“ und Mitbegründer des „Powidl“.
Neue Chancen für kleine Unternehmen.
Der Dienstleistungssektor ist den Gründern von „Powidl“ ein besonderes Anliegen. „Als Bewohner des tschechisch-österreichischen Grenzgebietes kennen wir die Schwierigkeiten tschechischer Kleinbetriebe, österreichische Kunden zu gewinnen, sehr genau“, sagt Wolfgang Fassold, der seit sieben Jahren in Jevišovice bei Znaim lebt. „Wir bieten erstmals den direkten, regelmäßigen und nachhaltigen Zugang zu diesen Zielgruppen. Waren oder Dienstleistungen können auf www.powidl.eu ohne Sprachbarriere auch mit geringen Mitteln effizient grenzüberschreitend beworben werden.“ Innerhalb des nächsten halben Jahres ist die Erweiterung des Angebotes um einen Online-Shop geplant, über den es dann möglich sein wird, den Warenaustausch direkt abzuwickeln. Um die Kontakte regelmäßig aufrechtzuerhalten, wird alle 14 Tage ein Newsletter an unsere Abonnenten per E-Mail versandt.
„Powidl“ wird im gesamten deutschen Sprachraum beworben. Die Werbeaktivitäten setzen sich aus der Bearbeitung der bereits bestehenden Datenarchive, breit gestreuter Werbung auf Internetplatformen in Österreich, Deutschland und der Schweiz, sowie regelmäßige Informationen an die deutschsprachige Presse, zusammen.
Im Grunde können alle Kunden den Verteiler – gegen geringfügige Bezahlung – auch für Spezialaussendungen in eigener Sache nutzten. Die Inseratenpreise wurden bewusst sehr niedrig gehalten, so kann man sich beispielweise bereits ab CZK 700,- mit einem kleinem Bild, Kurztext und Link auf der eigenen Seite wirkungsvoll präsentieren.
Es würde uns freuen, wenn sie uns in Form eines Berichtes in ihrem Blatt unterstützen würden.
„Powidl“ ist für Kooperationen mit anderen Medien offen.

Rückfragehinweis:

Wolfgang Fassold,
Stefan Weiß

Powidl – Das Online-Magazin aus Tschechien
Jevišovice 334
671 53 Jevišovice
office@powidl.eu
www.powidl.eu

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12. April 2011

Ein chilenischer Kugelschreiber…

…sorgt zurzeit in Tschechien für Unterhaltung und auch für Diskussionen, ob Politiker im Allgemeinen und Präsidenten im Speziellen für die Bürger noch Vorbilder sein können. Den Bildbericht der Česká televize zum Staatsbesuch des tschechischen Präsidenten Václav Klaus möchten wir nicht vorenthalten.

30. März 2011

Plagiatsvorwürfe gegen Brünns Bürgermeister Onderka

„Eine derartige Arbeit sollte nicht einmal zur Verteidigung [Abschlussprüfung, Anm.] zugelassen werden“, urteilte die Chefin der staatlichen Akkreditierungskommission für wissenschaftliche Arbeiten Vladimíra Dvořáková über die Bakkalaureus-Arbeit des amtierenden Brünner Bürgermeisters Roman Onderka (ČSSD). Das Werk mit dem Thema „Informationssystem der öffentlichen Verwaltung“ verfüge über keinerlei korrekte Quellenangaben, sei mit 40 Seiten erheblich zu kurz. Der Bürgermeister weist laut „Standard“ darauf hin, dass er seine „Bakkalaureus-Arbeit im Einklang mit allen Bedingungen der Hochschule und zum festgelegten Termin abgegeben, diese ordentlich verteidigt und den Bakkalaureus-Titel erhalten“ habe. Das Studium hatte Onderka an einer privaten Hochschule in Brünn abolviert.



Probleme mit seiner Bakkalaureus-Arbeit: Bürgermeister Onderka


Foto: Petr Zelinka

Ähnliche Probleme mit ihrer wissenschaftlichen Arbeit hat auch Onderkas Stellvertreterin Jana Bohounovská. „Unnannehmbar“ lautet auch hier das Urteil – Bohounovská habe seitenweise Transskriptionen von Gesetzestexten angeführt.

Grundsätzlich fällt bei tschechischen Politikern und anderen Prominenten, so der „Standard“, auf, dass viele von ihnen das Studium in kürzerer Zeit als vom Regelstudium vorgesehen abschließen. Den aufsehenerregendsten Fall gab es an der Uni Pilsen, an der einige prominente Studenten ein fünfjähriges Studium bereits in nur wenigen Monaten abschliessen konnten.

17. März 2011

Kateřina Šedá – Konzeptkünstlerin aus dem Brünner Plattenbau

Die versteckten Geheimnisse des Alltags – Reflexionen, die hinter stereopypischen Szenen verborgen liegen, geben die Inspiration für die aus Brünn stammende Künstlerin, die den Sprung in die internationale Szene längst geschafft hat. Kateřina Šedá bezieht in ihre Arbeiten stets das soziale Gefüge an den jeweiligen Schauplätzten ein und zeigt dessen erstarrte Strukturen auf. Von sich reden machte Šedá bereits 2003, als sie die Bewohner des Dorfes Ponětovice südlich von Brünn in ihre Kunstaktion einbezog. Sie gab den Dorfbewohnern strikte Tagespläne, an die sie sich zu halten und ihr Verhalten danach auszurichten hatten. Die Aktion sollte die verschwindenden Grenzen zwischen Zwang und Freiheit zeigen, die in den sozialen Strukturen verborgen sind.

Zentraler Schauplatz in Šedás Aktionen ist jene Plattenbausiedlung auf dem Brünner Lösch (Brno-Líšeň), in der die Künstlerin aufgewachsen ist. Mit den „Aktionen von Líšeň“ gelang es ihr, die Anonymität und das Nebeneinander in der Hochhaussiedlung zu durchbrechen. 2002 verteilte sie unter den Bewohnern Geschenke unter dem Vorwand, dass das Präsent von einem anderen Bewohner der Siedlung stammte. In der Folge entstanden in Líšeň viele soziale Kontakte und Freundschaften.

Šedá ist Aktions-, Foto- und Videokünstlerin. 2005 erhielt sie den begehrten Jindřich-Chalupecký-Preis für tschechische Nachwuchskünstler und hatte bereits mehrere Ausstellungen in Prag, Frankfurt, Leipzig, bei der documenta in Kassel, in Innsbruck, New York und Chicago.

Kateřina Šedá und die Brünner Vorstadt. Foto: Jiří Sláma

29. Oktober 2010

Janáček-Festival Brno mit 2 Weltpremieren

Die Kulturstadt Brünn ist untrennbar mit Musik verbunden, und kein anderer hat das Brünner Musikleben so stark geprägt wie Leoš Janáček. Mit dem Festival „Janáček Brno 2010“ wird der berühmte Komponist vom 16. bis 28. November gewürdigt. „Der Schwerpunkt unseres Festivals liegt bei Janáčeks Opern: Wie wird seine Musik in den unterschiedlichen Teilen der Welt verstanden? Bei dem Festival gedenken wir auch dem Dirigenten Sir Charles Mackerass, der als Wegbereiter Janáčeks Musik im Ausland gilt und heuer verstorben ist“, sagt der Direktor des Nationaltheaters Brünn Daniel Dvořák bei der Präsentation des Festivals im Arnold-Schönberg-Center in Wien. „Es ist unsere Ambition, dass Brünn zum Symbol für Janáček, ähnlich wie Salzburg für Mozart oder Bayreuth für Wagner wird.

Das Janáček-Festival findet alle zwei Jahre in Brünn statt.

Im heurigen Jahr kann das Festival mit zwei Weltpremieren aufwarten: Einerseits kommt es zur Uraufführung der ersten Oper Janáčeks „Šárka“ in der Urfassung aus dem Jahr 1887, bei „Výlet pana Broučka do Měsíce (Der Ausflug des Herrn Brouček auf den Mond)“ wird ebenfalls die Originalfassung (1917) aufgeführt. Im Rahmen des Themas „Janáček und der Expressionismus“ gelang heuer erstmals eine Kooperation mit der Arnold-Schönberg-Gesellschaft. Ausstellungen, ein Dokumentarfilm und Schönberg-Aufführungen werden einen Teil des Janáček-Festivals ausmachen.

Unkonventioneller Spot zum Brünner Leoš-Janáček-Festival

1. Oktober 2010

Adam Ondra – Kletter-Silbermedaille mit 17 Jahren

Adam Ondra, das Kletter-Wunderkind aus Brünn, hat Mitte September bei der Kletter-EM in Tirol inmitten der Profi-Weltelite des Kletterns die Silbermedaille geholt. Adam Ondra wurde 1993 in Brünn geboren, wo er heute noch lebt. Seine ersten Klettererfahrungen machte er mit vier Jahren an den Felstürmen Tschechiens, regelmäßig klettert er seit seinem sechsten Lebensjahr. Seine Eltern, selbst Alpinisten, leiteten ihn zwar an, übten aber, wie sie sagen, niemals Druck auf ihn aus. Seiner Kletterleidenschaft gegenüber bringen sie großes Verständnis auf und reisen mit ihrem Sohn in Klettergebiete auf der ganzen Welt.

Adam Ondra

Bild: Manfred Werner

30. September 2010

Magdalena Kožená – Mezzosopranistin aus Brünn bezaubert mit „Lettere Amorose“

Bereits am Musikkonservatorium ihrer Heimatstadt Brünn hat Magdalena Kožená ihre Liebe zur Musik des Barocks entdeckt. Das neue Album der international gefeierten Mezzosopranistin widmet sich mit den „Lettere Amorose“ wieder den italienischen Liebesliedern des 17. Jahrhunderts. „Diese Schlichtheit finde ich ungemein reizvoll, und ein einfaches Lied kann unglaublich anrührend sein“, sagt Kožená bei der Präsentation ihrer CD.

„Lettere Amorose“, das neue Album von Magdalena Kožená
Cover: Esther Haase

22. September 2010

Josef Bulva – Die Wiedergeburt eines Pianisten

Es ist in gleichen Maßen ein medizinisches und auch ein musikalisches Wunder. Der 1943 in Brünn geborene tschechische Strapianist der 70er, 80er und 90er-Jahre Josef Bulva feiert dieser Tage in München sein Comeback nach einer über 14jährigen Pause bedingt durch die schwere Verletzung seiner linken Hand. Der Pianist, dessen Karriere als abgeschrieben galt, hat sich wieder zurückgekämpft und startet jetzt seine erste Tournee, die ihn ins Münchner Prinzregententheater führt.

Bulva begann bereits im Kindesalter an der Musikschule Napajedla mit dem Klavierspiel. Der talentierte Schüler wurde vom tschechoslowakischen Staat gefördert und erhielt eine Ausbildung auf den Konservatorien in Kroměříž, Brünn und Bratislava. Bulva wurde mit dem „Roten Diplom“ ausgezeichnet und galt als junges künstlerisches Aushängeschild der ČSSR. Als Staatssolist gab er zahlreiche Konzerte und nahm bei Supraphon eine Reihe von Schallplatten auf.

Nach dem Ende des Prager Frühlings emigrierte Bulva, wurde luxemburgischer Staatsbürger und siedelte sich in München an. Internationale Konzertsäle und renommierte Plattenfirmen standen ihm offen. Im März 1996 kam der Tag des verhängnisvollen Unfalls: Bei Glatteis rutschte er aus und zerschnitt sich dabei seine linke Hand so stark, dass an das Weiterführen seiner Karriere nich mehr zu denken war. „Es war, als ob ein Maler blind wird“, beschreibt Bulva die Situation damals.

In vollkommener Geheimhaltung, mit eisernen Willen und jener Disziplin, die ihn schon als Kind und Jugendlichen auszeichnete, begann er an der Wiederherstellung der Spielfähigkeit seiner linken Hand zu arbeiten. Nach exzellenter Chirurgie und einer enormen Rekonvaleszensleistung, unter Anleitung Prof. Beat Simmen, Zürich, erkämpfte er sich seine alte Virtuosität und damit die Auftrittsfähigkeit zurück.

Im Winter 2009 hat sich Josef Bulva für die Rückkehr aufs Podium sowie in die Tonstudios entschieden und damit sein lebenslanges Ringen um die Verwirklichung seiner künstlerischen Visionen sowie seiner Ideen für Gestaltung des Klavierklanges wieder aufgenommen. In Zusammenarbeit mit DEAG Classic wird Josef Bulva, nach einer 14jährigen Abwesenheit, mit einer Tournee im Oktober 2010, auf die Konzertpodien zurückkehren. Seine Aufnahmetätigkeit wird unter dem permanenten Titel „The Art of Josef Bulva“ von Sony Classical fortgeführt und beginnt mit den Einspielungen von den berühmtesten Kompositionen Beethovens, Chopins und Liszts auf drei CD’s.

Quelle, Bild:
Josef-Bulva-Society

21. September 2010

Maschinenbaumesse 2010 mit positiver Bilanz

Zufrieden zeigt sich die Messe Brünn mit der soeben zu Ende gegangenen Maschinenbaumesse MSV 2010. Der Umfang der Messen, die Anzahl geführter Geschäftsgespräche und die Reihe direkt vor Ort abgeschlossener Kontrakte bestätigten die annhaltende Belebung der Wirtschaft im zweiten Halbjahr 2010. Die Ausstellerstände belegten alle Hallen des Brünner Messegeländes und einen Großteil der Freigelände zwischen den Hallen. Im Laufe der ersten vier Tage besichtigten mehr als 70 Tausend Besucher die Messe.

Den größten Umfang und ein hohes Fachniveau hatte die Präsentation von Bearbeitungs- und Umformtechnik auf der Biennale-Messe IMT, die einen Anteil ausländischer Aussteller von 52% erreichte. Zeitgleich mit der MSV fanden ausnahmsweise auch die Internationale Gießereifachmesse FOND-EX, die Internationale Fachmesse für Schweißtechnik WELDING und die Internationale Fachmesse für Oberflächentechnik PROFINTECH statt.

Mit Technologien, Produkten und Leistungen für verschiedenste Industriebereiche kamen insgesamt 1606 Ausstellerfirmen nach Brünn, darunter 540 ausländische (34%). Direkt vertreten waren 26 Länder. Einige Firmen aus dem In- und Ausland stellten sich auf der Brünner Messe zum ersten Mal vor, andere wiederum kehrten nach einer durch die Wirtschaftskrise bedingten Pause zurück.
Partnerland der MSV 2010 war Österreich als einer der wichtigsten Außenhandelspartner der Tschechischen Republik. Auf der Messe präsentierten sich 42 österreichische Firmen, 12 davon an einem großen Gemeinschaftsstand. Außerdem fand eine Reihe bilateraler Gespräche, Konferenzen und Gesellschaftsevents statt. Die österreichische Messepartnerschaft wurde von beiden Seiten als äußerst erfolgreich gewertet.

Unter den Exponaten war ein sehr hoher Anteil innovativer Produkte. Die interessantesten Neuheiten bewarben sich um Prestigepreise, die von zwei unabhängigen Jurys vergeben wurden. Die Goldmedaillen MSV 2010 erhielten vier Aussteller – das Institut für Kernforschung Řež für seinen Dreifach-Hybrid-Wasserstoffbus TriHyBus, die schweizerische Gesellschaft Afleth Engineering für ihre Werkzeugmaschine Fehlmann Picomax 825 Versa, die Firma Hexagon Metrology für die mobile Messmaschine Romer Absolute Arm und die Technische Universität Brünn für das unbemannte Experimentalflugzeug VUT 001 Marabu. Die fünfte Auszeichnung übernahm für seine lebenslange kreative technische Arbeit und innovativen Aktivitäten Prof. DI Jaromír Houša, DrSc, Leiter des Forschungszentrums für Produktionstechnik und -technologien im Maschinenbau bei der Technischen Universität Prag. Der Verband der Maschinenbautechnologien als Mitveranstalter der Internationalen Messe für Metallbearbeitung IMT zeichnete das beste Exponat des diesjährigen Wettbewerbs Goldmedaille IMT 2010 aus. Zum erfolgreichsten Aussteller wurde die Firma Tajmac – ZPS Zlín mit ihrem Vertikalzentrum MCV 1800 Multi gekürt.

Im Rahmen des Fachprogramms der MSV wurden die heißesten Fragen der tschechischen Wirtschaft besprochen: Bei der Tagung des Verbands der Industrie der Tschechischen Republik wurde u.a. über Einsparungen bei öffentlichen Finanzen und über Antikorruptionspolitik gesprochen, durch eine  hochwertige Beteiligung zeichnete sich die Konferenz zum Ausbau des Kernkraftwerks Temelín aus. Zu den erfolgreichen Rahmenveranstaltungen gehörte auch der „Salon der Geschäftsgelegenheiten“ der Regionalen Wirtschaftskammer Brünn unter der Bezeichnung Kontakt – Kontrakt 2010, bei dem innerhalb von zwei Tagen nahezu 800 bilaterale Geschäftstreffen stattfanden.

Mit Sicherheit und Schutz der Gesundheit bei der Arbeit befasste sich die 10. Jubiläumsmesse INTERPROTEC mit einem auf die Steigerung der Sicherheit und Verbesserung der Ergonomie am Arbeitsplatz ausgerichteten Rahmenprogramm. Neben Ständen mit interessanten Neuheiten (u.a.  Arbeitshandschuhe für technische Betriebe) bot sie auch einen kostenlosen Informationsservice zum Themenbereich Sicherheit und Schutz der Gesundheit bei der Arbeit.

Die Internationale Messe für Investitionen, Geschäftsgelegenheiten und Entwicklung der Regionen URBIS INVEST bot eine Schau der Möglichkeiten für Investoren und Unternehmer, die an der Ausweitung ihrer Aktivitäten in der ganzen Tschechischen Republik und in weiteren Regionen Mittel- und Osteuropas interessiert sind, und das vor allem im Bereich Gewerbeimmobilien, Industriezonen und Brownfields.

Das zweitägige ICT- und Business-Fachtreffen INVEX FORUM konzentrierte sich auf Datensicherheit, Informationstechnologien für den Maschinenbau und ITs für Innovationen in der Industrie. Zu den Gästen des Treffens zählte auch Eng Lim Goh, Inhaber zweier amerikanischer Patente für Computergrafik und Guru der weltweiten IT-Industrie.

Der Anteil ausländischer Besucher erreichte 10 Prozent, sie kamen aus 53 Ländern, vor allem aus der Slowakei, Polen, Deutschland, Ungarn, Österreich, Russland und Italien. Zur Messe reisten Unternehmermissionen an, sowohl aus Nachbarländern als auch aus Regionen der Russischen Föderation und aus Ländern außerhalb Europas, zum Beispiel dem Irak, Ägypten, Syrien und weiteren. Im Vergleich zum letzten Jahr stieg auch das Interesse der Journalisten. Das Pressezentrum passierten innerhalb von vier Tagen 417 Medienvertreter aus zehn Ländern, mehr als während der ganzen letzten Messe.

Stimmen zu den Messen

Petr Nečas, Regierungsvorsitzender der Tschechischen Republik:
„Die MSV in Brünn finde ich ungemein nützlich für die Entwicklung der Handels- und Industriebeziehungen, die unser Land zweifelsohne benötigt. Deshalb ist von so grundlegender Bedeutung, dass dieses Jahr mehr Aussteller kamen und wir erneut ein volles Messegelände sehen. Als äußerst positiv werte ich, dass die Maschinenbaumesse so viele ausländische Firmen angelockt hat. Die Zahl der Aussteller auf dieser Messe ist Beweis dafür, dass die Belebung der Wirtschaft wirklich eintritt.“

Richard Schenz, Vizepräsident der Wirtschaftskammer Österreichs:
„Der Besuch der MSV hat mich sehr beeindruckt. Ich bin überzeugt, dass es eine der wichtigsten Messen in Mitteleuropa ist, und ich bin stolz darauf, dass sich hier nahezu fünfzig österreichische Firmen präsentieren. Für Österreich ist es eine große Ehre, dass es das Partnerland der diesjährigen MSV sein kann. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit Österreichs und Tschechiens ist sehr intensiv und nimmt ständig zu. Unsere Klein- und Mittelbetriebe begannen nach dem EU-Beitritt der Tschechischen Republik, sich äußerst rege auf dem tschechischen Markt zu bewegen, und wir sind auch über die steigende Zahl der tschechischen Investitionen und Geschäftsaktivitäten in Österreich erfreut. Durch die Veranstaltungen im Rahmen der MSV können wir unsere Zusammenarbeit noch weiter bringen, da das Potenzial der gegenseitigen Beziehungen weit größer ist und bislang nicht voll genutzt wird.“

David Jakubík, Verkaufsmanager, TOS VARNSDORF a. s.:
„Mit der diesjährigen IMT sind wir sehr zufrieden, unser Stand wurde von wirklich vielen Interessenten besucht, ich schätze es auf das Dreifache des letzten Jahres. Die ganze Messe lang sind wir praktisch nicht zur Ruhe gekommen, wir nutzten die Zeit für geplante Treffen mit unseren Kunden und Geschäftspartnern. Es ist uns auch gelungen, direkt auf der Messe mehrere Geschäftsverträge abzuschließen. Diese Messejahrgang war für uns eindeutig zuträglich. Im Vergleich zu allen Messen, die ich dieses Jahr im Ausland besucht habe, war die Brünner eindeutig die beste.“

Petr Mašek, Geschäftsführer, Pilous – pásové pily, spol. s.r.o.:
„An der diesjährigen MSV machte sich die weltweite Belebung des Maschinenbaumarkts bemerkbar. Das Interesse der Besucher an unserer Firma war gegenüber dem letzten Jahr groß, praktisch nicht zu vergleichen. Man sieht, dass die Leute wieder in Maschinen investieren wollen, und das auch in größere und teurere. Während der Messe haben wir einige Sägen verkaufen und neue Verträge abschließen können. Ich bin froh, dass die Situation erneut in alte Geleise zurückkehrt.“

Karolína Voclová, Managerin für Marketing und Kommunikation, MACH TRADE s. r. o.:
„Mit der diesjährigen MSV sind wir zufrieden. Das letzte Jahr war nicht gut, jetzt beginnt jedoch eine Wachstumsperiode, und das hat sich auch an unseren Geschäften hier auf der Messe bemerkbar gemacht. Hinsichtlich Besucherzahlen hat die diesjährige Messe unsere Erwartungen erfüllt.“

Pavel Kubeš, Geschäftsführer, SAND TEAM, spol. s r. o.:
„Wir sind regelmäßige Aussteller der FOND-EX, und auch dieses Jahr kamen wir her, um unsere Kunden zu treffen, und das ist uns gelungen. Ich kann nicht sagen, dass wir hier irgendwelche große Kontrakte abgeschlossen hätten, es geht jedoch um das Zusammentreffen mit Leuten aus der Branche und um die Pflege von Kontakten, die bestimmt von großer Bedeutung ist. Manche Gießereien sind besser dran, manche schlechter, allgemein ist jedoch in der Branche ein leichter Optimismus zu spüren. Auch wir merken es an den Bestellungen.“

Rudolf Hrabina, Schweißinstruktor, ESAB VAMBERK, s. r. o.:
„Direkt auf der Messe haben wir Kontrakte unterzeichnet und zwei Brennschneidmaschinen verkauft, worüber wir uns sehr freuen, da solch ein Ergebnis keine Selbstverständlichkeit ist. Manchmal ist es ein Langstreckenlauf, und manchmal verhandeln wir mit dem Kunden auch ein ganzes Jahr über den Verkauf. Unsere Beteiligung an der WELDING werte ich insgesamt als erfolgreich.“

Martin Meduna, Leiter des TechSupport national, Fronius Česká republika s. r. o.:
„Unsere Beteiligung an der WELDING werten wir als sehr erfolgreich. Das Besucherinteresse war wesentlich höher als erwartet, und wir nehmen eine Menge interessanter Kontakte mit. Wir haben hier gute Kunden gewonnen, u.a. auch deshalb, weil Österreich Partnerland der Messe war und unsere Firma einen österreichischen Inhaber hat. Auch aus diesem Grund verstehen wir die Messe als gute Investition.“

Josef Kocián, Handelsdirektor, GALATEK a. s.:
„An der Brünner Messe beteiligen wir uns schon seit siebzehn Jahren. Für eine vollständige Auswertung ist es noch zu zeitig und der geschäftliche Effekt ist schwer abzuschätzen, da wir in unseren Produktionssegment keine Exponate ausstellen, sondern anhand von Aufgabenstellungen konkrete Angebote für konkrete Kunden erstellen. Nichtsdestoweniger haben wir auf der Messe ausreichend Kontakte und Anfragen gewonnen, und manche davon sind sehr interessant.“

Die 53. internationale Maschinenbaumesse findet 3. -7. 10. 2011 zusammen mit der 6. internationalen Messe für Transport und Logistik statt.

Quelle: BVV, domus-communications

14. September 2010

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Haseloff auf der MSV 2010 in Brünn

Anlässlich der Präsentation des Landes Sachsen-Anhalt auf der internationalen Maschinenbaumesse Brünn besuchte der Wirtschaftsminister des deutschen Bundeslandes Reiner Haseloff die mährische Hauptstadt Brünn. Auf der größten Maschinenbaumesse Europas präsentierte sich das sachsen-anhaltische Cluster „Sondermaschinen- und Anlagenbau“ auf dem mitteldeutschen Gemeinschaftsstand. Darüber hinaus führen die 14 Unternehmen sowie Vertreter von Transfereinrichtungen der Wirtschaft und der Industrie- und Handelskammer Magdeburg Kooperationsgespräche mit tschechischen und slowakischen Partnern.

In dem Gespräch mit dem tschechischen Industrie- und Handelsminister Martin Kocourek ging es vor allem um eine Vertiefung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen Tschechien und Sachsen-Anhalt. Tschechien gehört zu den wichtigsten Handelspartnern des Landes. Es liegt auf Platz 5 in der Export- und auf Platz 9 in der Importstatistik. Wichtigste Warengruppen für den Export sind Mineralölerzeugnisse, Halbzeuge aus Kupfer und Kupferlegierungen sowie chemische Vorerzeugnisse, Kunststoffe und chemische Halbwaren.

Bedeutende tschechische Investoren in Sachsen-Anhalt sind die MIBRAG und das SKW Piesteritz. Weitere Gesprächsschwerpunkte auch mit regionalen Wirtschaftsinstitutionen werden transnationale Kooperationen in der Chemielogistik und die Zusammenarbeit im Rahmen des Europäischen Chemieregionen-Netzwerkes (ECRN) sein. Die tschechische Region Ústí und der Tschechische Chemieverband sind bereits seit einigen Jahren wichtige Partner in dieser Kooperation. Haseloff: „Unsere Gespräche sollen auch die neue tschechische Regierung von der Unterstützung und dem Ausbau dieser Kooperationen überzeugen.“

Sachsen-Anhalts Wirtschaftsminister Reiner Haseloff



Quelle, Bild:
Pressestelle Ministerium für Wirtschaft und Arbeit des Landes Sachsen-Anhalt

7. September 2010

Biochemiker Jiří Friml erhält europäischen Wissenschaftspreis

Pflanzenentwicklung und Pflanzenwachstum sind das Forschungsgebiet des aus Mähren stammenden Biochemikers Jiří Friml. Der Molekularbiologe und Biochemiker erforscht die genetischen, molekularen und zellbiologischen Prozesse, die die Entwicklung von Pflanzen steuern und hat damit grundlegende Denkanstösse nicht nur für die pflanzenwissenschaftliche Forschung geliefert. Seine Erkenntnisse helfen zu verstehen, wie das Wachstum von Pflanzen gesteuert wird und wie es auf unvorhergesehene Ereignisse reagiert. Für seine Leistungen wurde Friml im Hamburger Rathaus der renommierte Körber-Preis 2010 überreicht.

Körberpreisträger 2010: Jiří Friml
Foto: Friedrun Reinhold

Friml wurde 1973 in Nedakonice geboren und studierte an der Masarykuniversität in Brünn Biochemie. Seit 2007 ist er Professor für für Pflanzen-Systembiologie an der belgischen Universität Gent.

17. August 2010

Ludvík Kundera 1920-2010

Ludvík Kundera, Dichter, Übersetzer, Dramaturg uns Surrealist verstarb am 17. August in Boskovice im Alter von 90 Jahren. Wie sein Cousin Milan Kundera war auch Ludvík gebürtiger Brünner.

Ludvík Kundera war naach 1945 Gründer der postsurrealistischen Dichtergruppe „Ra“. Mit seinem Erstlingswerk „Elemente in uns“ gelang ihm 1946 der Durchbruch. Während der Ära des Kommunismus, vor allem in seiner Eigenschaft als Chefdramaturg des Brünner Schauspielhauses hatte Kundera stets Probleme mit den Machthabern, sodass ab den 70er Jahren seine Werke großteils unter Pseudonymen erschienen. 2007 erhielt Kundera von Präsident Václav Klaus eine hohe Auszeichnung für seine Verdienste um die Tschechische Republik. In den 90er-Jahren erhielt Kundera den österreichischen Staatspreis für literarische Übersetzung.

26. Juli 2010

Harte Fronten im Streit um Gregor Mendels Erbe zwischen Brünn, Stuttgart und Wien

Gregor Mendel, der Begründer der modernen Genetik, lebte und wirkte als Augustinermönch im Altbrünner Kloster. Um das Manuskript zu seiner Forschung „Versuche über Pflanzenhybriden“ ist nun ein länderübergreifender Streit entbrannt, bei dem es nun drei Parteien gibt: einerseits die in Deutschland lebenden Erben Gregor Mendels, andererseits der Augustinerorden in Wien. Nun hat auch das Altbrünner Augustinerkloster, dem Mendel als Abt vorgestanden hat, Anspruch auf das Manuskript angemeldet. Das wertvolle Schriftstück habe sich ja immer, bis zur zwangsweisen Auflösung des Ordens durch die Kommunisten im Jahre 1950, im Kloster befunden. Danach verblieb Mendels Manuskript in der Obhut der ehemaligen Klosterbrüder und gelangte knapp vor der Wende zu den Augustinern nach Deutschland. Derzeit wird es in einem Safe in Stuttgart aufbewahrt.

Das Altbrünner Augustinerkloster in Brünn: Wirkungsstätte Gregor Mendels

 

Mit der Argumentation, Mendel habe als Mönch geforscht, begründet das Ordensvikariat der Augustiner in Wien den Anspruch auf das Erbe des Genetikers. Eine Initiative, ausgehend vom tschechischen Parlamentsabgeordneten Robin Böhnisch hat bereits vor den Wahlen eine Stellungnahme des Kulturministeriums gefordert, das sich für die Rückkehr des Schriftstückes nach Brünn einsetzen soll. „Das baden-württembergische Kulturministerium hat die Ausfuhr des Schriftwerkes [aus Deutschland] damit verboten, dass es ein Teil des deutschen Kulturerbes ist. Auch wenn Mendel nie in Deutschland lebte“, sagt Böhnisch.

15. Juli 2010

Neue Regierung Nečas ohne Südmährer

Die neue, am 13. Juli vereidigte Regierung aus der konservativen ODS, der Schwarzenberg-Partei TOP’09 und der Partei „Öffentliche Angelegenheiten“ (VV), tritt ihr Amt in einer schwierigen Situation an. Nach der monatelangen Pattsituation zwischen den beiden Großparteien ODS und ČSSD, der verpatzten tschechiecshen EU-Ratspräsidentschaft und der über einjährigen „Sedisvakanz“ mit der Übergangsregierung Fischer, nimmt mit ODS-Chef Petr Nečas wieder ein Parteipolitiker das Zepter in die Hand. Präsident Václav Klaus forderte bei der Vereidigungszeremonie eine stabile Regierung, die die Herausforderungen der nächsten Jahre meistern kann. Die Zeit sei reif für Reformen, allen voran für die Reform des tschechischen Gesundheitssystems.

Aus Brünner Sicht soll die Zusammensetzung der Regierungsmannschaft des neuen Premiers, der Absolvent der Masaryk-Universität ist, dennoch zu denken geben: Das Kabinett arbeitet quasi unter Ausschluss Südmährens, sieht man von Bildungsminister Josef Dobeš (VV) ab, der einen längeren Bezug zur Stadt Brünn hat. Dass keine einzige Frau in der Regierung im Ministerrang vertreten ist, wurde bereits im Vorfeld heftigst kritisiert.

Die Neue Regierung besteht aus:

Petr Nečas – Premier, ODS

Karel Schwarzenberg – 1. Vizepremier, Außenminister, TOP’09
Radek John – 2. Vizepremier, Innenminister, VV
Alexandr Vondra – Verteitigungsminister, ODS
Jiří Pospíšil – Justizminister, ODS,
Martin Kocourek – Industrie- und Handelsminister, ODS
Pavel Drobil – Umweltminister, ODS
Ivan Fuksa – Landwirtschaftsminister, ODS
Miroslav Kalousek – Finanzminister, TOP’09
Leoš Heger – Gesundheitsminister, TOP’09
Jaromír Drábek – Arbeits- und Sozialminister, TOP’09
Jiří Besser – Kulturminister, TOP’09
Vít Bárta – Verkehrsminister, VV
Josef Dobeš – Bildungsminister, VV
Kamil Jankovský – Regionalentwicklung, VV

11. Juli 2010

BBB-Mitglieder nach Unternehmen und Organisationen – die aktualisierte Liste 2010/07

Wo sind die über 100 Mitglieder des Brno Business Board beschäftigt? Welche Kontakte gibt es wohin?

Die neu aktualisierte Liste gibt Auskunft, wer für welche Firma bzw. Organisation Ansprechpartner ist. Die Liste ist am Stand 07/2010, nächste Aktualisierung ist für 10/2010 vorgesehen.

Für Mitglieder: Sollte die Liste Änderungen oder Ergänzungen bedürfen, loggen Sie sich bitte in Ihren Account ein und mailen Sie an „Stefan Weiß“. Die Korrekturen werden dann umgehend vorgenommen! Noch kein Mitglied? Schnell kostenlos registrieren!

Die Liste ist auch auf www.zentraleuropa.net veröffentlicht.

Beste Wünsche und einen schönen Sommer!
Stefan Weiß

30. Mai 2010

65 Jahre „Brünner Todesmarsch“

Liebe Freunde des BBB,

am 31. Mai 2010 gedenkt man dem 65. Jahrestag des „Brünner Todesmarsches(„Brněnský pochod smrti). Zu diesem Anlass möchte ich untenstehend einen lesenswerten Artikel von aus der „Presse“ vorstellen, der die furchtbaren Ereignisse rund um die totale Vertreibung der deutschsprachigen Bevölkerung Südmährens im Jahr 1945 äusserst treffend reflektiert.

Der Jahrestag soll keinesfalls Anlass sein, die Fehler und Verbrechen der Vergangenheit aufzurechnen. Vielmehr sollte man die Gelegenheit nutzen, für heute und für künftige Generationen die Lehren daraus zu ziehen.

Gedenktafel Brünner Todesmarsch



******** Die Presse, 29.5.2010 ********


Fronleichnam 1945: Das Trauma des Brünner Todesmarsches






Die Deutschen in der mährischen Hauptstadt müssen über Nacht die Heimat verlassen. Was dann in der Nacht zum 31.Mai 1945 beginnt, ist in die Geschichte als der „Brünner Todesmarsch“ eingegangen.




Im Mai vor 65 Jahren geht auch in Böhmen und Mähren der Zweite Weltkrieg endlich zu Ende. Die traumatisierten Überlebenden, Tschechen und Deutsche – die Juden waren bereits von den Nazis vernichtet worden – kriechen aus den Kellern. Man könnte nun an den Wiederaufbau gehen. Auch in Brünn (Brno) etwa, der Hauptstadt Mährens. Einheimische Tschechen sagen zu ihren deutschen Nachbarn: „Es wird alles wieder gut werden, jetzt sind endlich die Nazis fort, nun wird alles wieder wie früher!“ Viele Deutsche würden das nur allzu gern glauben.




Es wird aber täglich schlechter, die Deutschen werden entlassen, sie dürfen nur mehr manuelle Arbeit leisten, sie müssen ausnahmslos weiße Armbinden tragen (N =
„nemec“ = „Deutscher“). Präsident Edvard Beneš besucht Brünn, es ist der Auftakt für das Kommende. In „Koleje“, einem ehemaligen tschechischen Studentenheim, das während der Nazi-Zeit der Gestapo als Gefängnis gedient hat, spricht Beneš zu Arbeitern und Studenten. Er ruft nach Rache, er entfacht in den Zuhörern einen Hass, der sich blind auch gegen Schuldlose richtet. Die Menge ist bereit zur Tat.





„Alle Deutschen raus!“




Was dann in der Nacht zum 31.Mai 1945 (Fronleichnam) beginnt, ist in die Geschichte als der „Brünner Todesmarsch“ eingegangen. Am späten Abend wird die Parole ausgegeben: „
Všechny nemci ven!“ „Alle Deutschen raus!“ Trupps bewaffneter Arbeiter und Partisanen eilen von Haus zu Haus, die Gewehrkolben donnern an die Türen: „Packt das Wichtigste, ihr müsst fort! In zwei Stunden müsst ihr auf dem Hauptplatz gestellt sein. 15 Kilo Gepäck, mehr nicht!“ Es handelt sich vornehmlich um Frauen, Kinder und alte Menschen, wie die Augenzeugen berichten. Die wehrfähigen Männer sind noch nicht heimgekehrt oder gefallen oder in Kriegsgefangenschaft.



In der Morgendämmerung formierte sich ein Zug von 35.000 Menschen, der sich in Richtung Süden nach Österreich in Bewegung setzte. Alle paar Meter ein Posten, das Gewehr griffbereit, Kolbenschläge für die Erschöpften. Wegen eines Gewitters erreicht der Zug Pohrlitz (heute Pohořelice) mit nassen Kleidern, durstig und hungrig. Verseuchtes Wasser führt zu ersten Ruhrerkrankungen, Hunderte sterben, auch durch Misshandlungen. Wer sich nicht mehr weiterschleppen kann, wird am Ende des Zuges erschossen und in den Straßengraben gestoßen.






Augenzeuge Androsch




Am nächsten Abend erreicht man die österreichische Grenze, Bauern helfen, aber die Tausenden sind zu viel. Wieder sterben Hunderte, sie werden in Massengräbern entlang der Brünner Straße bis Wien verscharrt.




In Mähren, hart an der Grenze zu Niederösterreich, liegt Piesling, ein kleines Dorf. Dort, bei Verwandten, erlebt 1945 die Familie Hans und Lia Androsch mit dem kleinen Sohn Hannes Ähnliches. Bis zwölf Uhr mittags, erinnert sich der spätere Finanzminister und Vizekanzler, mussten alle deutschen und deutschstämmigen Bewohner ihr Dorf verlassen. Auch der Onkel und die Tante. „Sie gingen in ihrem schwarzen Sonntagsstaat. Zum Abschied sind sie niedergekniet und haben die Türschwelle geküsst.“ Mutter Lia Androsch stellte ihren Sechsjährigen zum Fenster und sagte: „Schau dir an, was hier passiert. Du darfst es dein ganzes Leben nicht vergessen.“






Ein Stachel im Fleisch der EU




Er hat es nicht vergessen. In Prag, in Brünn und anderswo im EU-Mitgliedsland Tschechien würde man diese Ruchlosigkeit zwar gerne „vergessen“, wären da nicht die Österreicher, die sich mit derlei Verbrechen nicht abfinden. Nur der tschechische Dichterpräsident Václav Havel war in seiner Amtszeit auf dem Hradschin fair genug, die Vertreibung von rund drei Millionen (deutschen) Bürgern aus ihrer angestammten Heimat als Schandfleck zu bezeichnen.




Als Bundespräsident Heinz Fischer heuer– ohnehin recht milde – von einem „schweren Unrecht“ sprach, zeigte sich der tschechische Senatspräsident Přemysl Sobotka „überrascht“, dass ein Spitzenpolitiker Österreichs noch heute „die Entscheidung der Weltmächte“ angreife, die Edvard Beneš doch nur umgesetzt habe.






„Menschliche Abschiebung“




Die Wahrheit sieht natürlich anders aus. Zwar stimmten die siegreichen Alliierten im Potsdamer Protokoll 1945 der Forderung der ČSR-Regierung Beneš zu, die deutsche Minderheit im Lande „ordentlich“ abzuschieben, doch von Enteignung, Vermögensentzug, Schaffung von Konzentrations- und Zwangsarbeitslagern war im Potsdamer „Cecilienhof“ keine Rede.




Während dieser Konferenz der „Großen drei“ (Stalin, Truman, Attlee) vom 17.Juli bis 2.August war die gewaltsame Vertreibung der Deutschen schon fast abgeschlossen. Der Sowjetdiktator Stalin hatte also nicht ganz unrecht, als er meinte, es gäbe in Böhmen, Mähren, Schlesien und Ostdeutschland sowieso „nur mehr eine deutsche Restbevölkerung“, die Masse der Deutschen sei bereits nach Deutschland geflüchtet. So kamen alle Ermahnungen der Alliierten an den tschechoslowakischen Präsidenten Beneš zu spät.








„Es wird notwendig sein…, insbesondere kompromisslos die Deutschen in den tschechischen Ländern und die Ungarn in der Slowakei völlig zu liquidieren…“



Beneš nach seiner Rückkehr aus dem Londoner Exil am 16.Mai 1945 vor einer begeisterten Menge auf dem Altstädter Ring in Prag.




Er hatte sein Ziel nach vielen Jahren „Vorarbeit“ erreicht. Denn schon 1938, als Hitler die Tschechoslowakei immer stärker bedrohte, schlug Beneš in einem internen Schreiben vor, Deutschland einen Teil des Sudetenlandes abzutreten (rund 5000 von 28.000Quadratkilometern, also circa 18Prozent) und gleichzeitig einen großen Teil der in der Tschechoslowakei verbleibenden deutschsprachigen Bevölkerung (nach Beneš‘ überschlägigen Berechnungen etwa 2,2Millionen) zwangsweise auszusiedeln.




Im Londoner Exil während des Weltkrieges hatte Beneš weiter an der Rechtlosmachung der deutschen Mitbürger gearbeitet: Das „Kaschauer Programm“ vom 5.April 1945 legte dann die Basis für vier Präsidentendekrete – noch vor der Potsdamer Konferenz. Dabei ging es um die Ungültigkeit von Vermögensgeschäften, um Bestrafung und um die Konfiskation des Grundbesitzes. Mit einer Note vom 3.Juli ersuchte dann die tschechische Regierung die Alliierten um Aufnahme des Vertreibungsprogramms in die Tagesordnung von Potsdam. Da war die „wilde Vertreibung“ längst durchgeführt.






Das Massaker von Postelberg




Während das offizielle Tschechien zu den Verbrechen weiter schweigt, denkt die jüngere Generation weit europäischer. Am 6.Mai lief im tschechischen Fernsehen zur besten Sendezeit die Dokumentation
„Töten auf tschechische Art“ von David Vondráček. Ein Amateurfilmer hatte im Mai 1945 Hinrichtungen in der Prager Siedlung Bořislavka aufgenommen. Zu sehen ist eine lange Reihe von über 40 Männern in Zivilkleidung. Die meisten, aber nicht alle, sollen Deutsche gewesen sein. Sie stehen am Straßenrand mit dem Rücken zur Kamera und fallen von Kugeln getroffen in den Graben. Anschließend zermalmt ein Lkw der Roten Armee die Körper.



Regisseur Vondráček verweist auch auf das bekannte Massaker an deutschen Zivilisten im nordböhmischen Postelberg (Postoloprty). Über 760Männer zwischen 15 und 60Jahren wurden hingerichtet: „Die Toten von Postelberg sind Teil des größten Massenmordes zwischen dem Ende des Zweiten Weltkrieges und den Ereignissen im bosnischen Srebrenica 1995.“




Seit dem Mai 2005 steht ein Beneš-Denkmal gegenüber dem Prager Außenamt.

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Den vollständigen Artikel findet man über diesen Link.

27. Mai 2010

Freiwilliger sozialer Dienst in Tschechien

Freiwilliger sozialer Dienst in Tschechien – was die 20-jährige Deutsche Susanne Jacobi nach fast einem Dreivierteljahr in der Stadt Brünn berichtet, klingt nach vielen tiefgreifenden Erlebnissen und lebenslangen Eindrücken. Über den Europäischen Freiwilligendienst (EFD) hatte die Abiturientin im Herbst einen zweigeteilten Arbeitsplatz gefunden.

Die Hälfte ihrer Zeit verbringt die politisch und sozialwissenschaftlich engagierte junge Frau in der „Effeta“, einer Werkstätte der Caritas mit unterschiedlich stark behinderten Menschen. „In meiner Gruppe sind sechs Klienten, davon haben fünf Autismus und weitere mehrfache Behinderungen. Es ist immer was los, und wirklich zur Ruhe kommt man nie. Da fliegt auch schon mal ein Teller oder ein Joghurtbecher durch die Gegend…“, schildert sie ihren Alltag. An das Chaos hat sie sich gewöhnt und ohne den ganzen Lärm würde ihr etwas fehlen: „Die Arbeit mit den Menschen macht mir viel Spaß und es hat meinen Entschluss gefestigt, Sonderpädagogik zu studieren.“

Den anderen Teil ihrer Arbeitswoche verbringt Susanne Jacobi damit, ältere Frauen aus der jüdischen Gemeinde zu besuchen, um sie in alltäglichen Dingen wie Einkaufen oder Abwaschen zu unterstützen oder einfach nur da zu sein, sich mit ihnen zu unterhalten. Sie besucht vier „paní“ (tschechisch für Damen). Drei von ihnen sprechen gut Deutsch und eine fast nur tschechisch, doch für diese Frauen zählt, dass ihnen jemand zuhört. „Besonders Zuzana Wachtlová, 90 Jahre alt, erstaunt mich immer wieder: Sie sieht in jedem Menschen das Gute.“

Zuzana Wachtlová, eine 90 Jahre alte Jüdin im tschechischen Brünn, ist eine der vier „paní“, die Susanne Jacobi in ihrem Freiwilligen sozialen Auslandsjahr betreut. Foto: op-online.de

Im Alter 20 Jahren kam Zuzana Wachtlová ins Ghetto nach Theresienstadt, ehe die Familie nach Auschwitz deportiert wurde. Ihre Mutter starb im KZ. Sie und ihre Schwester wurden in ein kleines deutsches Arbeitslager in der Nähe der tschechischen Grenze gebracht, das von alliierten Truppen befreit wurde.

Zurück in Brünn stand sie vor dem Nichts. „Dennoch spricht sie nie von den schlechten Erfahrungen im Konzentrationslager, sondern immer von Wärtern, die ihnen geholfen haben, Freundschaften, die sie in dieser Zeit geschlossen hat oder ihrem Ehemann, den sie im Konzentrationslager kennen lernte“, wundert sich Susanne Jacobi.

Sie selbst lebt in Brünn in einer kleinen, aber feinen Wohnung in einer Plattenbausiedlung, zusammen mit zwei anderen Frauen. Die Verständigung mit den Einheimischen fällt manchmal schwer: „Die tschechische Sprache ist sehr kompliziert, denn sie kommt auch mal ganz ohne Vokale aus.“

„Eigentlich besteht mein Freiwilligendienst bis jetzt aus ganz vielen kleinen Highlights, von denen Chanukka, das jüdische Lichterfest, bei mir einen besonderen Eindruck hinterlassen hat.“ Eine Woche Besuch in Moskau; eine Reise in die Niederlande, wo andere Freiwillige des EFD besucht wurden, sind vorbei; Rumänien, Ungarn, die Slowakei, vielleicht noch Bulgarien und Polen stehen noch auf der Wunschliste von Susanne Jacobi, die dazwischen auch in Dresden gegen den alljährlichen Nazi-Aufmarsch demonstriert hat. So ist es ihr auch wichtig, für die Freiwilligendienste und die Spendenaufrufe in Form von Länderpartnerschaften der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste ASF zu werben: http://www.asf-ev.de, und sie verabschiedet sich bis zum Sommer mit „Mejte se hezky!“ (Machen Sie es gut!)

Autorin: Christine Ziesecke

Den gesamten, lesenswerten Artikel finden Sie auf op-online.de

23. Dezember 2009

Jiří Kuliš neuer Generaldirektor der Messe Brünn

Der Vorstand der Veletrhy Brno, a.s. hat in einer außerordentlichen Sitzung beschlossen, Jiří Kuliš in die Funktion des Generaldirektors der Brünner Messe und Norbert Schmidt in die Funktion des Geschäftsführers für Handel zu berufen.

Jiří Kuliš studierte Wirtschaft an der Ökonomischen Hochschule in Prag mit Schwerpunkt Außenhandel. Von 1976–1992 war er in unterschiedlichen führenden Positionen bei der Messe Brünn tätig, von 1992–2005 war Kuliš als Leiter der diplomatischen Mission der Tschechischen Republik in Neuseeland tätig, danach Handelsrat für Australien und Neuseeland, Handels- und Wirtschaftsrat der Tschechischen Republik in Japan und in den USA.

Ab 2006 wirkte er als externer Berater der Geschäftsführung der BVV für Internationalisierung. Jiří Kuliš spricht Deutsch, Englisch und Russisch.

Norbert M. Schmidt studierte an der technischen Hochschule, die er als Bautechniker (Ingenieur) beendete. Er ist seit 1992 bei der Messe Düsseldorf tätig, von 1993-1999 als Projektmanager. Im Jahr 2000 wurde er mit der Gründung eines Joint-Ventures zwischen der Messe Düsseldorf und der Kölnmesse als Projektleiter beauftragt. Im Jahr 2001 übernahm er die Geschäftsführung des Joint-Ventures CIDEX Trade Fairs Pvt. Ltd. in Indien. Mit Wirkung vom 1. Januar 2004 wechselte er als Geschäftsführer zur OOO Messe Düsseldorf Moskau. Herr Schmidt ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

151,5 Mio. Verlust für Messe Brünn, Verkauf der Halle D

Am wirtschaftlichen Ergebnis des Jahres 2009 zeigte sich erheblich der Einfluss der globalen Wirtschaftskrise, insbesondere auf die exportorientierte Wirtschaft der Tschechischen Republik. Dies beeinflusste maßgeblich das wirtschaftliche Ergebnis der Aktiengesellschaft Veletrhy Brno. Der Verlust 151,5 Mio. Kč betragen. Auch in den kommenden zwei Jahren rechnet die Gesellschaft mit einem Verlust – im Jahr 2010 in Höhe von 119,7 Mio. Kč, 2011 in Höhe von 32 Mio. Kč. Aus mittelfristiger Sicht sind erst ab 2012 positive Wirtschaftsergebnisse zu erwarten.

Der Vorstand der Gesellschaft hat in der ausserordentlichen Sitzung den Verkauf der Halle D an den Kreis Südmähren beschlossen. In der Halle D wird das Mährische Zentrum der Wissenschaften entstehen.

9. Dezember 2009

Milan Kundera – Brünner Ehrenstadtbürgerschaft für einen Schwierigen

Der Brünner Stadtrat entschied „in Anerkennung des Lebenswerks“ einstimmig, wie die tschechische Nachrichtenagentur ČTK meldete, den bedeutenden Schriftsteller Milan Kundera mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt Brünn auszuzeichnen. Kundera (80) habe in einem Brief an Bürgermeister Roman Onderka versichert, er werde die Ehrung annehmen.

Milan Kundera

Milan Kundera wurde am 1. April 1929 in Brünn geboren. Er lebt seit seinem Bruch mit dem Kommunismus Mitte der 1970er Jahre in Frankreich, ihm wird ein schwieriges Verhältnis zu seinem Vaterland nachgesagt. So blockierte er jahrelang Übersetzungen seiner Werke ins Tschechische. Seit 1993 schreibt der Schriftsteller nur noch auf Französisch. Ende 2008 warf ihm die Wochenzeitschrift „Respekt“ unter Berufung auf eine Polizeiakte vor, 1950 zu kommunistischen Zeiten einen Regimekritiker an die Polizei verraten zu haben. Kundera dementierte den Bericht, verzichtete aber auf juristische Schritte.

Kunderas bekanntestes Werk ist der Roman „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins (Nesnesitelná lehkost bytí)“ aus dem Jahr 1984, der 1988 unter der Regie von Philip Kaufman mit Daniel Day-Lewis, Juliette Binoche und Lena Olin verfilmt wurde.

18. November 2009

CEE-Journalistenpreis für Reportage über die Schengengrenze zur Ukraine

Der Vize-Chefredakteur der Wiener Stadtzeitung „Falter“, Florian Klenk, ist der diesjährige Preisträger des Journalistenpreises „Writing for CEE“ 2009 ausgezeichnet worden. Der 36-jährige „Enthüllungsjournalist“ erhielt den mit 5.000 € dotierten und bereits zum sechsten Mal von der APA – Austria Presse Agentur und der Bank Austria – UniCredit Group vergebenen Award für eine Reportage, die in der „Berliner Zeitung“ und im „Falter“ erschienen ist. Sie trägt den Titel „Hinter dem Zaun“ und behandelt die Zustände in einem in der Ukraine gelegenen Flüchtlingslager im slowakisch-ungarisch-ukrainischen Ländereck.

„Writing for CEE“-Preisträger 2009 Florian Klenk

Mit der Schengen-Erweiterung im Dezember 2007 sei das Problem von Österreich „weggerückt“, schreibt Klenk, „hinaus aus der ‚Union des Rechts‘, wie sich die EU gerne nennt. Hier fühlt sich keiner mehr verantwortlich, die kritische europäische Öffentlichkeit blickt nur selten her.“ Klenk schaute dafür umso genauer hin. Immerhin befindet sich das mittlerweile geschlossene Flüchtlingscamp von Pavshino in Transkarpatien nur fünf Stunden von Wien entfernt. Aber auch die örtliche Bevölkerung hat unter jener Schengen-Grenze zu leiden, auf deren Schutz die EU stolz ist. So seien für viele Bürger selbst Reisen zu Begräbnissen engster Verwandter auf der anderen Seite der Grenze nicht möglich. Klenk kritisierte dabei insbesondere das Vergessen auf jede Verhältnismäßigkeit.

Neben dem Thema Migration mit all seinen Folgewirkungen und Nebenerscheinungen stand der Fall der Berliner Mauer vor 20 Jahren im Mittelpunkt der diesjährigen Preisverleihung. Die ehemalige DDR-Bürgerrechtsaktivistin Bärbel Bohley erklärte als Gastrednerin, dass die Zeit vor dem „Mauerfall“ für die Bürger Osteuropas eine „Zeit der Hoffnung“ gewesen sei. Danach sei eine „Zeit der bitteren Realität“ gekommen. Daher müssten trotz oder gerade angesichts der „Posaunenklänge“ der Feiern zum 20. Jahrestag auch kritische Blicke unter die Oberfläche erlaubt sein. Schließlich habe sie ein Gedanke ihr Leben lang begleitet: „Aufstehen und Nein sagen.“

Es seien „diese kleinen Geschichten über einzelne Schicksale, die Europa oft einen größeren Dienst als die große Politik erweisen“, hob APA-Chefredakteur Michael Lang die Bedeutung derartiger Reportagen hervor. Sie würden dazu beitragen, dem von Bank Austria und APA mit dem CEE-Journalistenpreis verfolgten Ziel näher zu kommen: „Grenzen und Vorurteile zu überwinden.“ Schließlich zeige Europa seine Stärke dann, „wenn Rivalen gute Nachbarn und Nachbarn gute Freunde werden.“

Auch Jurysprecher und APA-Außenpolitikchef Ambros Kindel nahm Bezug auf die Ereignisse um den Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989. Er bedauerte, dass sich der berechtigte Begriff „Revolution“ in der gängigen Geschichtsbetrachtung nicht niedergeschlagen habe. Vielmehr sei der nichtssagende Begriff „Wende“ haften geblieben, eine Diktion, die auf den letzten SED-Generalsekretär Egon Krenz zurückgehe.

„Writing for CEE“ setzt sich das Ziel, die journalistische Auseinandersetzung mit Fragen der europäischen Integration zu fördern. Mitglieder der international besetzten Jury sind der Ex-Berater des ehemaligen tschechischen Präsidenten Václav Havel, Jiří Pehe, der slowakische Publizist Michael Berko, die Kommunikationsberaterin Ildiko Füredi-Kolarik, der slowenische Schriftsteller Jože Hudeček, der polnische Journalist Igor Janke, die ungarische Radio-Journalistin Júlia Váradi, die bulgarische Schriftstellerin Janina Dragostinova, die CEE-Pressesprecherin der Bank Austria – UniCredit Group, Silvana Lins, sowie APA-Außenpolitik-Chef Ambros Kindel. Der Preis wird 2010 erneut ausgeschrieben.

In die Liste der Preisträger haben sich bisher der tschechische Journalist Luboš Palata (2004), die bulgarische Schriftstellerin Diana Ivanova (2005), der bosnische Journalist Šefik Dautbegović (2006), der österreichische Schriftsteller Martin Leidenfrost (2007) sowie die in Griechenland geborene und in Deutschland aufgewachsene Radiojournalistin Anna Koktsidou (2008) eingetragen.